Blässe


Blässe
Von der Blässe des Gedankens angekränkelt ist ein Zitat aus Shakespeares ›Hamlet‹; redensartlich gebraucht für einen Menschen, der in Gedanken vertieft in seiner Studierstube hockt, kaum noch Berührung mit der Wirklichkeit hat und schließlich auch seine Tatkraft einbüßt.
   Anders die Wendung Vornehme Blässe: Nach heutiger Auffassung wird eine blasse Hautfarbe stets mit Krankheit oder schlechtem Gesundheitszustand verbunden. Das war nicht immer so. Im Gegenteil: keine gebräunte Haut zu haben, war lange das Vorrecht der oberen Stände, die nicht hart an der frischen Luft arbeiten mußten. Schon im späten Mittelalter gibt es Belege dafür, daß die Blässe ein Zeichen von Adel war (vgl. ›Tristan und Isolde‹). Später – im 17./18. Jahrhundert – gingen die Damen und Herren des Adels und des gehobenen Bürgertums dazu über, sich ihre Gesichter weiß zu pudern, um sich deutlich von der gebräunten Hautfarbe der arbeitenden Bauern abzusetzen. Erst seit der Wandlung des Schönheitsideals im 19. Jahrhundert erhielt die Wendung ›Vornehme Blässe‹ ihren heutigen spöttisch-entschuldigenden Sinn ( braun).

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Blässe — steht für Blässe (Schochenspitze) (1961 m), Nebengipfel der Schochenspitze in den Allgäuer Alpen Blässe (Band), eine deutsche Band Blässe ist der Familienname folgender Personen: Anna Blässe (* 1987), deutsche Fußballspielerin …   Deutsch Wikipedia

  • Blässe [1] — Blässe, die blasse Farbe des Gesichtes; beruht auf einer eigenen Beschaffenheit der Gesichtshaut, bei der die zarten Blutgefäße weniger in das Gewebe derselben verflochten sind., so daß sie nicht, wie gewöhnlich, durch ihr Durchschimmern dem… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Blässe [2] — Blässe, weißer Streif, der bei einem dunkelfarbigen Pferde, Rindvieh od. Wildprete über den Augen anfängt u. längs des ganzen Vorderkopfes bis zur Oberlippe heruntergeht. Schön ist sie, wenn sie nicht zu breit, zu beiden Seiten gleichförmig u.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Blässe [1] — Blässe (griech.), bleiche Färbung der Haut, betrifft entweder nur einzelne Teile des Körpers, namentlich häufig solche isolierte Gebiete, die dem Stromgebiet eines bestimmten Blutgefäßes oder der Ausbreitung eines Nervs angehören, oder sie… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Blässe [2] — Blässe (Bläßhuhn), soviel wie Wasserhuhn …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Blässe [3] — Blässe, s. Abzeichen (bei Haustieren) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Blässe — Blässe, weiße Streifen an der Stirn von Haustieren; ein so gezeichnetes Haustier selbst; B. oder Bläßchen auch s.v.w. Bläßhuhn, s. Sumpfhühner …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Blässe — ↑Pallor …   Das große Fremdwörterbuch

  • Blässe — Farblosigkeit; Fahlheit; fahle Farbe * * * Bläs|se [ blɛsə], die; : das Blasssein: die Blässe ihres Gesichts war auffallend. * * * Blạ̈s|se 〈f. 19; unz.〉 1. das Blasssein, Farblosigkeit 2. 〈fig.〉 Langweiligkeit (Stil); →a …   Universal-Lexikon

  • Blässe — blass: Das auf das dt. Sprachgebiet beschränkte Adjektiv (mhd. blas »kahl; gering, nichtig«) gehört mit den unter ↑ Blesse behandelten Wörtern zu der vielfach weitergebildeten und erweiterten idg. Wurzel *bhel »leuchten‹d›, glänzen‹d›« (vgl. ↑… …   Das Herkunftswörterbuch


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