Wimper
Mir kann keiner an den Wimpern klimpern: mich kann niemand übervorteilen, täuschen; mir kann keiner etwas anhaben, etwas vorwerfen; wahrscheinlich berlinerischer Herkunft.
   Auszugehen ist wohl von ›klimpern‹, insbesondere vom Klimpern mit Geld, etwa in dem Sinne: mich kann keiner mit Geld verlocken. Zu ›klimpern‹ stellt sich aus Reimlust auch ›Wimpern‹ ein, im wesentlichen also eine entstellende Verschnörkelung; seit dem 19. Jahrhundert bekannt (Küpper). Auf einem Neu- Ruppiner Bilderbogen (Nr. 8329) steht unter der Darstellung von ›Vier gleichen Seelen‹ folgendes Couplet:
   Vier gleiche Seelen zogen aus,
   Drei Männer und ein Weib,
   Sie thäten lustig singen
   Zum Zeitvertreib:
   »Uns kann keiner, keiner, keiner
   An die Wimpern klimpern, klimpern!«
Wahrscheinlich ist der Refrain des nach der Melodie ›Drei Lilien, drei Lilien‹ gesungenen Liedes sprichwörtlich geworden.
   Ohne mit der Wimper zu zucken und Mit keiner Wimper zucken: sich seine Gefühle nicht anmerken lassen, Schmerzen standhaft ertragen; kein Zeichen von Angst, Erregung, Anteilnahme geben; vgl. französisch ›sans sourciller‹, auch im Sinne von ›ohne zu mucken‹.
   Die scherzhafte Drohrede Ich reiße mir eine Wimper aus und steche dich damit tot! beruht auf einem Schlagertext aus der Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts und wurde über die Studenten- und Schülersprache volkstümlich (Küpper).
An den Wimpern klimpern. Neuruppiner Bilderbogen, Nr. 8329, aus: S. und K., S. 91.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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