Zapfen
Der Zapfen ist gut für die Flasche (das Loch), auch: Er ist ein rechter Zapf auf diesen Essigkrug: es eignet sich gut, paßt vortrefflich zusammen, oft ironisch gebraucht, um zu sagen, daß etwas in üblem Sinne zusammengehört, daß sich Menschen in ihren negativen Eigenschaften entsprechen, daß sie gleiche Interessen verfolgen. Johann Fischart verwendet die Redensart bereits in dieser übertragenen Bedeutung, denn er schreibt in der ›Geschichtklitterung‹: »Es war eben ein zapff für diese Flasch, denn faul Eyer vnd stinkend Butter gehören zusammen«. Auch Sebastian Franck verzeichnet in seiner Sammlung die Redensarten ›Es ist ein rechter zapff für das loch‹ (II, 107b) und ›Es ist zapff für die flaschen‹ (II, 10).
   Jemandem ist der Zapfen gesprungen: er ist verrückt; rheinisch: ›Dem es der Zapfen gesprungen‹.
   Ist in der Schweiz jemand außer sich vor Zorn, ›so jagt's em der Zapfen ab‹: es platzt ihm der Kragen.
   Über den Zapfen hauen: den Urlaub überschreiten, Zapfenstreich.
   Eins zapfen gehen: Wein holen gehen. An der Mosel heißt es: ›Gei äs zapen!‹ Das ›Zapegon‹ ist hier ein Stück überlieferter Gastfreundschaft.
• L. RÖHRICH: Flaschen, in: U. JEGGLE u.a. (Hrsg.): Volkskultur in der Moderne (Reinbek 1986), S. 332-346.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Zapfen — bezeichnet: Zapfen (Technik), in der Technik ein hervorstehendes Stück zur Verbindung zweier Bauteile Zapfen (Botanik), in der Botanik die weiblichen Blütenstände der Nadelholzgewächse Zapfen (Auge), in der Zoologie und Medizin in der Netzhaut… …   Deutsch Wikipedia

  • Zapfen — Sm erw. reg. (11. Jh.), mhd. zapfe, ahd. zapfo, mndd. tappe, mndl. tappe Stammwort. Aus wg. * tappōn m. Zapfen , auch in ae. tæppa. Herkunft unsicher, doch gehört das Wort wohl zu den familiären Wörtern mit besonderen Lautmerkmalen; vermutlich… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Zapfen — Zapfen: Das altgerm. Substantiv mhd. zapfe, ahd. zapho, niederl. tap, engl. tap, isl. tappi (ähnlich schwed. tapp) bezeichnet einen spitzen Holzpflock, der ein Loch verschließt und herausgezogen werden kann. Es ist verwandt mit den unter ↑ Zipfel …   Das Herkunftswörterbuch

  • zapfen — Zapfen: Das altgerm. Substantiv mhd. zapfe, ahd. zapho, niederl. tap, engl. tap, isl. tappi (ähnlich schwed. tapp) bezeichnet einen spitzen Holzpflock, der ein Loch verschließt und herausgezogen werden kann. Es ist verwandt mit den unter ↑ Zipfel …   Das Herkunftswörterbuch

  • Zapfen — Zapfen, verb. regul. act. vermittelst des Zapfens ausfließen lassen. Ein Nößel Wein zapfen. Im gemeinen Leben wird dieses Wort oft absolute gebraucht, für Getränk im Kleinen verkaufen. Aus dem Hause zapfen, das Getränk nach Maßen verkaufen …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Zapfen — Zapfen, 1) ein länglicher, runder, gewöhnlich an der einen Seite dünner werdender Körper; 2) ein ähnlicher, auch wohl viereckiger Körper, mit welchem man ein Loch (Zapfenloch) eines Gefäßes verschließt, aus welchem eine Flüssigkeit fließen kann;… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Zapfen — Zapfen, ein in einem Lager (s.d.) sich drehender Maschinenteil, der als Rotationskörper ausgebildet ist. – In der Botanik heißt Z. (Strobilus Conus) eine Ähre mit holziger Achse …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Zäpfen — Zäpfen, verb. regul. act. vermittelst des Zapfens befestigen: nur bey den Zimmerleuten, besonders in dem zusammen gesetzten einzäpfen. Einen Balken einzäpfen …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Zapfen — Zapfen, 1) dickere und kürzere Lichtsinneszellen in der ⇒ Retina der Wirbeltiere, die viel weniger lichtempfindlich sind als die ⇒ Stäbchen, in drei verschiedenen Typen mit je einem anderen Sehfarbstoff vorkommen und das ⇒ Farbensehen bei hoher… …   Deutsch wörterbuch der biologie

  • zapfen — V. (Aufbaustufe) etw. durch einen Hahn aus einem Fass herausfließen lassen Synonyme: abfüllen, abzapfen Beispiel: Der Wirt hat uns zwei Glas Bier gezapft …   Extremes Deutsch

  • Zapfen — 1. Am Zapfen sparen und am Spundloche wieder herauslaufen lassen, das spart nicht. – Simrock, 9634; Körte, 5617; Sailer, 278. Die Russen: Man verschwendet am Kiel, was man am Anker ersparen will. (Altmann VI, 396.) 2. Beim Zapfen ist der Wein am… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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