Zinshahn
Leibeigene und Hörige hatten alsjährliche Abgabe an ihren Herrn zu bestimmten Zeiten und Gelegenheiten Hühner (›Zinshühner‹) zu entrichten. Wie diese Abgaben aussahen, lehren die redensartlichen Vergleiche: schweizerisch ›alt wie ein Zinshahn‹, sehr alt, oder schwäbisch ›fett wie ein Zinshahn‹, spindeldürr.
   Um sich zu sichern, gaben die Herren genaue Vorschriften: Alter und Stärke der Hühner wurden im einzelnen bestimmt, damit keine minderwertigen Tiere abgegeben wurden. Bei Hähnen sollte der Kamm rot durchblutet sein. Um dieses zu erreichen, lieferten die Bauern die Hähne bisweilen im Zustand künstlicher Erregung ab. Daher der mundartliche Vergleich Rot wie ein Zinshahn (von ungewöhnlicher Gesichtsröte gesagt); ähnlich obersächsisch ›Da leeft'n der Kopp auf wie e Zinshahn‹; sächsisch ›Er wird gleich wie ein Zinshahn‹, jähzornig, leicht erregbar. Literarisch in Lessings ›Jungem Gelehrten‹ (III, 12): »Du bist erhitzt, erhitzt wie ein Zinshahn«.
• J. GRIMM: Rechtsaltertümer I, S. 251 und 521.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Zinshahn — Sm Hahn als Abgabe per. Wortschatz arch. (17. Jh.) Hybridbildung. Bei der Abgabe von Hühnern wurden von den Bauern nicht die besten ausgesucht (vgl. die schwäbische Redensart fett wie eine Zinshenne spindeldürr ). Deshalb gab es Vorschriften, wie …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Zinshahn — * Er wird gleich wie ein Zinshahn. (Leipzig.) …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Zinshahn — Zịns|hahn, der (früher): Hahn als Grundzins: *rot wie ein Z. (landsch.; [vor Erregung] puterrot im Gesicht; da der Kamm des abzuliefernden Hahnes gut durchblutet sein musste, versetzten die Bauern ihn oft in Erregung, bevor sie ihn ablieferten) …   Universal-Lexikon

  • Zinshahn — Zinshahnm 1.aufgeregter(nervöser)ZinshahnMensch,deranderenervösmacht;ruheloserMensch.LeibeigeneBauernmußtenfrüherihrenHerrenalsBodenzinsHühnerundHähneliefern;darunterdurftensichkeinealtenTierebefinden.UmdieHerrenzubetrügen,entwickeltendieBauernKun… …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • Zinshahn, der — Der Zinshahn, des es, plur. die hähne. 1. Ein Hahn, so fern er als ein Grundzins gegeben wird. 2. Im gemeinen Leben, ein zorniger, erhitzter Hahn. Du bist erhitzt, wie ein Zinshahn, Less. Vielleicht, weil zu den Zinshähnen die muthigsten und… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Roth — 1. Aber du bist nicht roth geworden, sagte der Krebs zum Bischof, als er sich freute, dass er auch die Farbe gewechselt habe. – Niederschles. Zeitung (Görlitz 1872), Nr. 264. 2. Allzu roth bringt den Tod, sagte der Krebs, als ihn die Köchin in… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Zins — (Pacht, lat. Census), 1) im Allgemeinen eine regelmäßig wiederkehrende Abgabe, welche von einer Person als solcher od. wegen des Besitzes u. der Nutzung eines Grundstückes, an welchem die Verpflichtung zur Leistung haftet, entrichtet werden muß;… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Zinsgüter — (Praedia censitica), s.u. Zins S. 643. Zinshafer, s. ebd. S. 646. Zinshahn, s. ebd. S. 646 …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Roter Hahn — Roter Hahn, jemand den roten Hahn aufs Dach setzen oder jagen, soviel wie das Haus in Brand stecken, erinnert an die Beziehungen, in die man den roten Hahn zu den Feuergottheiten setzte, wie den weißen Hahn zu den Lichtgottheiten. Im Mittelalter… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Zinsen - info! — Zinsen: Das Wort Zins ist auf lateinisch census „Schätzung, Steuer“ (zu censere „schätzen“) zurückzuführen, das in dieser Form schon im Alt und Mittelhochdeutschen in der Bedeutung von „Abgabe“ belegt ist. In diesem Sinn wird es noch heute im… …   Universal-Lexikon

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