brandmarken
Jemanden brandmarken: ihn zeichnen, ihm ein Brandmal einbrennen, übertragen: ihn öffentlich bloßstellen. Diese Redensart geht auf den bereits in der Antike bezeugten Brauch zurück, Verbrechern und flüchtigen Sklaven auf die Stirn oder auf den Arm ein Brandzeichen einzubrennen. Dieser Brauch war auch im mittelalterlichen Deutschland üblich (Grimm, Deutsche Rechtsaltertümer, 4. Auflage, Seite 298).
   Neben dem Stadtzeichen wurde dem Verbrecher das Sinnbild seiner Tat eingebrannt, z.B. dem Falschmünzer eine Münze in die Stirn. Schwerverbrecher trugen das Brandmal des Rades oder des Galgens auf ihrem Wege zur Richtstätte, auf dem sie von der zuschauenden Menge verhöhnt wurden. Eine Danziger Verordnung des 15. Jahrhunderts besagt: »Wer mit Lotterie und Riemenziehen die Leute um das Ihrige bringt, soll das erste Mal gebrandmarkt, das andere Mal gesäckert und ersäuft werden« (Ziesemer, Preußisches Wörterbuch I, S. 761). In Luthers Bibelübersetzung findet sich 1 Tim 4, 2: »die, so in Gleisnerei Lügen reden und Brandmal in ihrem Gewissen haben«.
   Im Märchen begegnet die Brandmarkung häufig als Erkennungszeichen und Signum der Versklavung. Die frühesten Zeugnisse (11. Jahrhundert) stammen aus dem Mittleren und Nahen Osten.
   Eine Steigerungsform bedeutet das ›Siegeln mit dem Pferdehuf‹, (vgl. Kainszeichen).
• H. SOMMER: Kulturgeschichtliche Sprachbilder (Bern 1943); A. ERLER: Brandmarken ins Antlitz, in: FS. K.S. Bader (Zürich 1965), S. 115-120; K. RANKE: Artikel »Brandmarken«, in: Enzyklopädie des Märchens II, Spalte 658-660.}
Brenneisen. Brenneisen mit Rad und Galgen, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Brandmarken — Brandmarken, verb. reg. act. in eben dieser Bedeutung. Einen Missethäter brandmarken. Ein gebrandmarktes Gewissen. Man braucht aber dieses Wort auch zuweilen in einem gleichgültigen Verstande, von einer jeden Aufbrennung eines Zeichens, von… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • brandmarken — ↑denunzieren, ↑outen …   Das große Fremdwörterbuch

  • brandmarken — Vsw anprangern std. (14. Jh., Bedeutung 18. Jh.) Stammwort. Wie Brandmal und Brand allein bedeutet fnhd. brandmark das Tieren, Geräten usw. eingebrannte Eigentumszeichen , dann das einem Verbrecher eingebrannte Zeichen . Von hier aus übertragen… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • brandmarken — V. (Aufbaustufe) jmdn. in der Öffentlichkeit scharf kritisieren, jmdn. verurteilen Synonym: anprangern Beispiel: Er wurde öffentlich als Betrüger gebrandmarkt …   Extremes Deutsch

  • Brandmarken — Unter Brandmarken verstand man eine Leibesstrafe im Mittelalter, welche dadurch gekennzeichnet war, dass der Gefolterte festgebunden und mit einem glühend heißen Eisen gepeinigt wurde. Auch die Intensität des Drucks und der Zeitspanne, die das… …   Deutsch Wikipedia

  • brandmarken — ächten, an den Pranger stellen, anprangern, geißeln, verdammen; (bildungsspr., Soziol.): stigmatisieren. * * * brandmarken:⇨anprangern(1) brandmarkenanprangern,andenPrangerstellen,ächten,verfemen,verpönen,öffentlichtadeln,scharfkritisieren,verdamm… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • brandmarken — brạnd·mar·ken; brandmarkte, hat gebrandmarkt; [Vt] jemanden / etwas (als etwas) brandmarken jemanden / etwas öffentlich als etwas Negatives bezeichnen: Er wurde als Verräter gebrandmarkt || hierzu Brạnd·mar·kung die; nur Sg …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • brandmarken — Brand: Das altgerm. Wort mhd., ahd. brant, niederl. brand, engl. brand, schwed. brand ist eine Bildung zu dem im Nhd. untergegangenen starken Verb mhd. brinnen, ahd. brinnan (vgl. ↑ brennen). Es bedeutete zunächst »Feuerbrand, Feuersbrunst«, dann …   Das Herkunftswörterbuch

  • brandmarken — über jemanden den Stab brechen (umgangssprachlich); verurteilen; geißeln; (öffentlich) anprangern * * * brand|mar|ken [ brantmarkn̩] <tr.; hat: öffentlich in scharfem Ton tadeln, scharf kritisieren: sie brandmarkte die sozialen Missstände; er… …   Universal-Lexikon

  • brandmarken — brạnd|mar|ken; gebrandmarkt …   Die deutsche Rechtschreibung

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