Brautstuhl
Im Brautstuhl sitzen, auch: Den Brautstuhl besitzen: verlobt sein, kurz vor der Eheschließung stehen; vgl. lothringisch ›Se sen im Britstuhl‹ und rheinisch ›im Brautstuhl sein‹, was sich auf Braut und Bräutigam beziehen kann.
   Die Redensarten spielen auf einen Brauch an: die Braut brachte einen reich verzierten Brautstuhl bei der Überführung ihres Brautgutes in ihr neues Heim mit, wo sie nun im Rat der Familie auch Sitz und Stimme erhielt, da der ›Brautstuhl‹ als eine Art Rechtssymbol zu verstehen ist. In der Literatur findet der Brautstuhl schon in frühester Zeit Erwähnung, so bei Notker Labeo (950-1022, auch ›Teutonicus‹ oder ›der Deutsche‹ genannt): »Tînen brûtestûol lustet mih zierenne mit sange« (deinen Brautstuhl möchte ich gern zieren mit Gesang). Im ›Erec‹ des Hartmann von Aue (1165-1215) heißt es:
   dô si in ir rîche hô
   ime brûtstuole sazen!
u. im Gudrun-Epos (verfaßt zwischen 1210 und 1215; Vers 549,1): »da sie im brûotstuole saz«. Später begegnet der Brautstuhl auch im bäuerlichen Brauchtum, wie sich aus dem Gedicht des Wernher der Gartenaere vom ›Meier Helmbrecht‹ (entstanden 1234-1250) schließen läßt:
   do der helt Lemberslint
   und sin gemahel Gotelind
   den briutestuol besassen ...
An manchen Orten wurden zur Feier der vertraglichen Heiratsabrede sogenannte ›Stuhlfeste‹ gefeiert, wie zahlreiche Beispiele aus dem 15. und 17. Jahrhundert aus Schwaben belegen.
Braut.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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