Brocken
Für einen die Brocken (Bissen) aus dem (vom) Munde sparen: sich alles versagen, gern Not und Mangel leiden, um einem anderen zu helfen, meist von den Eltern gesagt, die unter Entbehrungen ihre Kinder, besonders während der Ausbildungszeit, unterstützen; vgl. niederländisch ›voor iemand de brocken uit den mond sparen‹.
   Weder zu brocken noch zu beißen haben: am Notwendigsten Mangel leiden, nicht einmal trockenes Brot zum Einbrocken in eine Suppe besitzen.
   Die Brocken aus der Suppe fischen: das Beste für sich in Anspruch nehmen. Für Kinder sind die Brocken jedoch nicht immer das Beste – im Gegenteil: oft brauchen sie eine Ermahnung, wie z.B. im Grimmschen Märchen von der Unke (Kinder-und Hausmärchen der Brüder Grimm 105), wo es heißt: »Ding, iss auch Brocken«. Eine entsprechende schweizerische Redensart lautet: ›Man muß die Möckli auch essen, nicht nur die Mämmäli‹.
   Die Feststellung Das war ein fetter Brocken! meint eine gute Beute, ein einträgliches Geschäft, ebenso die Redensart Einen fetten Brocken schnappen, die sich wahrscheinlich auf den Vergleich mit Tieren gründet (Hund, Vogel); vgl. niederländisch ›Dat is een vette brok in zijn nest gesleept‹.
   Mit einem Dicken Brocken bezeichnet man auch einen Plumpen und Dicken, mit einem Gesunden Brocken einen gutaussehenden, kraftstrotzenden Menschen.
   In Zusammenhang mit der Vorstellung von Brocken als wertlosen Dingen, Bruchstücken und Abfall stehen die Redensarten, die ›Brocken‹ und ›Ausdrücke, Wörter‹ gleichsetzen, z.B. Nur ein paar Brocken einer Sprache können (verstehen, aufgeschnappt haben): nur bruchstückhafte Sprachkenntnisse besitzen, oder Mit gelehrten (lateinischen oder französichen) Brocken um sich werfen: gelehrt tun und in prahlerischer Weise Fremdwörter beim Sprechen gebrauchen, aber nur oberflächliche Kenntnisse haben. Jemandem ein paar Brocken hinwerfen: ihn mit wenigen Worten abspeisen, nur widerwillige und knappe Auskunft erteilen. Er teilt gute Brocken aus wird von dem gesagt, der sehr derb redet und sich starker Ausdrücke bedient; vgl. lateinisch ›Lapides loqueris‹. Jemandem harte Brocken zu schlucken (kauen) geben: ihn tadeln, ihm die bittere Wahrheit sagen, aber auch: ihn vor eine schwierige, unangenehme Situation stellen. Damit in Zusammenhang steht die Wendung Er wird an diesem Brocken zu kauen haben: er wird es schwer haben, dieses Hindernis zu überwinden; vgl. niederländisch ›Daar is wat kaauwen aan zulk een brokje‹.
   Ganz andere Bedeutung hat die Redensart Das ist ein starker Brocken! Sie umschreibt die Lüge und hat eine Geste als Ausgangspunkt: die Hand wird an den Hals gelegt, um dem allzu starken Bissen, der nicht so ohne weiteres ›geschluckt‹ werden kann, Platz zu schaffen ( Mund).
   Neuere Wendungen sind: Das sind schwere Brocken: Artilleriegeschosse, soldatensprachlich seit dem 1. Weltkrieg, und Bröckchen husten (lachen): sich erbrechen.
• J. MÜLLER: Sagen aus Uri (Basel 1945) III, S. 186-187; W.D. HAND: Children and Snakes, in: Krzyzabowski-Festschrift (1960), S. 889-900; J. BOLTE und G. POLIVKA: Anmerkung zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (Hildesheim 2. Auflage 1963), II, S. 459-465.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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