daheim
In einer Sache daheim sein: darin beschlagen sein, Bescheid wissen, besonders in Oberdeutschland gebräuchlich. Dazu obersächsisch ›nich derheeme sein‹, nicht recht klug, nicht bei Verstande sein; und ›Der tut wie derheeme‹, er benimmt sich zwanglos.
   ›Daheim ist er ein Mann‹ wird von einem schwachen und Furchtsamen gesagt. Vgl. lateinisch ›Extra periculum audax‹. – ›Gallus in suo sterquilinio plurimum potest‹.
   Alemannisch ›Daheim sterbe die Lütt‹ ist ein Sprichwort, das meist von jungen Leuten gebraucht wird, um anzudeuten, daß sie hinaus wollen, um etwas zu erleben.
   G.W. Baur faßt das Umfeld des Begriffes ›daheim‹ so zusammen: Die Gefahr des »Verhockens« im Daheim zeigt die Oberschefflenzer Spruchweisheit ›wär net nauskhimt, khimt aa net heem‹, d.h. er erwirbt auch keine Lebenserfahrung, die ihm nützen könnte.
   Noch mehr über die Befindlichkeit des Im-Eigenen- Wohnens sagt das Wort ›daheim‹ »zu Hause« und die mit ihm verbundenen Wendungen. Am bekanntesten und weit verbreitet ist vielleicht die Redensart ›deheem (dehaam, dehääm, usw.) isch deheem‹; sie will besagen, daß es dort einmalig ist, wo man wohnt und man dieses Zuhause über alles andere stellt. Man kennt sich dort auch aus und mit ›do bin isch dehääm‹ »hier weiß ich Bescheid« weitet man dieses Bescheidwissen auf anderes, Abgelegeneres aus. Wenn einer ›duud, wie wanner dehääm weer‹, so benimmt er sich ungezwungen. Wenn es aber, besonders bei Kindern, zu ungezwungen zugeht, so hört man vielfach tadelnd, ›du bisch doch nid dehääm!‹; Wenn Wohlstand in einem Haus herrscht, dann sagt man anerkennend oder neidisch ›do is ebbes dehääm!‹, ›Mir isch lang fett darhaaim‹ meint »mir ist's noch gut genug daheim«. Daß dauerndes Daheimbleiben aber nicht immer und von allen geschätzt wird, zeigt das scherzhaft-rechtfertigende und einen Gasthausbesuch begründende ›dehääm schderwe die meischde Leid!‹
• G.W. BAUR: Daheim und heimzus, in: Daheim, hrsg. von K. Bräutigam und R. Lehr (Karlsruhe 1986), S. 17.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Daheim — 1. Daheim bin ich König. – Eiselein, 110. Lat.: Quilibet domi suae rex. (Eiselein, 110.) 2. Daheim erzogen Kind ist in der Fremde wie ein Rind. – Simrock, 1484. 3. Daheim gilt unser Kreuzer einen Batzen. – Körte, 815; Simrock, 1483. Besonders von …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • daheim — zu Hause; zuhause * * * da|heim [da hai̮m] <Adverb>: zu Hause: er bleibt am liebsten daheim; bei uns daheim. Syn.: am häuslichen Herd, im Schoß der Familie, im trauten Heim, in der Heimat, in seinen vier Wänden. * * * da|heim 〈Adv.; bes.… …   Universal-Lexikon

  • daheim — da·heim Adv; besonders südd; 1 in der eigenen Wohnung ≈ zu Hause <daheim sein, bleiben>: Um 10 Uhr bist du wieder daheim! 2 dort, wo man geboren oder aufgewachsen ist || ID Wie gehts daheim? gespr; Wie geht es der Familie? …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • daheim — da|heim ; daheim sein; sich daheim ausruhen; von daheim kommen …   Die deutsche Rechtschreibung

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