denken
Denkste! (sagt der Berliner); Haste gedacht! sind allgemein verbreitete Floskeln, mit denen man auf einen Irrtum hinweist oder Ablehnung ausdrückt; vgl. französisch ›Tu penses!‹ oder ›penses-tu,‹, im Sinne von ›Wo denkst du hin?‹ Eine Steigerung bedeutet die Wendung Typischer Fall von denkste: ein großer Irrtum.
   Die Redensart Ich denke nicht daran enthält eine strikte Ablehnung (vgl. französisch ›Je n'y pense pas un seul instant‹), während der Ausruf Der soll noch einmal an mich denken lernen! eine Drohung ist, wenn sofortige Rache unmöglich scheint; vgl. französisch ›Il se souviendra de moi‹ oder ›Je lui garderai un chien de ma chienne‹ (wörtlich: Ich werde ein Junges von meiner Hündin für ihn aufbewahren).
   Er denkt, daß St. Peter ein Schüler war ist eine von Sebastian Brant gebrauchte Redensart zur Bezeichnung der Unwissenheit. In seinem ›Narrenschiff‹ heißt es einmal: »Er denkt nur von der Nase in den Mund«: er denkt nur an das Nächstliegende. Ähnlich die heute noch gebräuchliche Wendung Er denkt nur von elf (zwölf) bis Mittag: er ist vergeßlich, kann nicht weit denken; schwäbisch ›Du kannst denken von den Handzwehle bis zur Stubetür (an der sie hängt)‹.
   Bei überraschenden Ereignissen sagt man Ich dachte, Ostern und Pfingsten sollten auf einen Tag fallen. Sich seinen Teil denken: sich seine eigene Meinung über etwas machen, sie aber nicht kundtun. Denken wie Goldschmieds Junge ( Goldschmied). Denken wie ein Seifensieder ( Seifensieder).
   Auf den Denkfaulen und Begriffsstutzigen gemünzt ist die Wendung ›Du denkst wie ein Rettich, nur nicht so scharf‹ und auf den Lehrling, der etwas falsch gemacht hat, der Ausspruch ›Denken ist Glückssache‹, mit dem Zusatz: › ... aber mancher hat kein Glück!‹.
   Ähnlich: ›Das Denken sollte man den Pferden überlassen, die haben größere Köpfe‹. (Vor allem beim Militär gebräuchlich, wenn ein Untergebener entschuldigend sagte: ›Ich dachte, ...‹.) Neuerdings aufgekommen sind zahlreiche Aussprüche der Verwunderung und des Erstaunens, die ein ganzes Redensarten-Feld ausmachen. Sie sind wohl berlinischen Ursprungs, haben sich aber schnell über ganz Deutschland verbreitet: »Ich denk(e) (dachte, glaube) ›mir (mich) tritt ein Pferd‹, ›Mir (mich) laust der Affe‹, ›ick werd nich wieder‹, ›Mich streift ein Bus‹, ›Mein Schwein pfeift‹, ›Mein Hamster bohnert‹, ›Mich bumst ein Bär‹, ›Ich werd' verrückt‹, ›Mich trifft der Schlag‹, ›Mich knutscht ein Elch‹«, glauben.
• R. HAUSCHILD und H. SCHUH: Ich glaub' mich knutscht ein Elch! (Herford 1980).

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • denken — denken: Das gemeingerm. Verb mhd., ahd. denken, got. Þagkjan, engl. to think (aengl. đencan), schwed. tänka gehört mit der Sippe von ↑ dünken zu der idg. Wurzel *teng »empfinden, denken«, vgl. z. B. alat. tongere »kennen, wissen«. Die alten… …   Das Herkunftswörterbuch

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  • denken — denken, denkt, dachte, hat gedacht 1. Was denkst du gerade? 2. Ich denke, dass du recht hast. 3. Wir diskutieren gerade über das Rauchen. Wie denken Sie darüber? 4. Denk bitte daran, die Heizung auszumachen. 5. Es ist mir ganz gleich, was die… …   Deutsch-Test für Zuwanderer

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  • Denken — Denken, ist die geistige Fähigkeit, sich Etwas vorzustellen, die Vorstellungen zu ordnen, um sie der Urtheilskraft zu übergeben. (S. Logik) …   Damen Conversations Lexikon

  • Denken — Denken, lat. cogitare, ital. pensare, franz. penser, engl. think, heißt allgemein 1. sich geistig mit etwas beschäftigen, sich einen Gegenstand einbilden und vorstellen, näher 2. das Zusammenfassen von Vorstellungen zur Einheit im Bewußtsein,… …   Herders Conversations-Lexikon

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