Dichter
Dichter und Denker ist eine Wortverbindung, die Karl Musäus (1735-87) in seinen ›Physiognomisch Reisen‹, 3. Heft (1779), S. 101 verwendet, und zwar in der Wortfolge ›Denker und Dichter‹. Später setzte sich die geläufigere Wendung ›Dichter und Denker‹ durch, vor allem auch in der Bezeichnung des deutschen Volkes als ›Volk der Dichter und Denker‹, ein Satz, der zum ersten Mal bei Musäus im Vorbericht zu seinen ›Volksmärchen‹ (1782) erschien.
   Eine Parteibindung wäre unvereinbar gewesen mit dem Prinzip Dichterische Freiheit, das auf Senecas ›Quaestiones naturales‹ II, 44,1 zurückgeht. Dort heißt es: »Poeticam istud licentiam decet« (Das ist etwas, was zur poetischen Freiheit gehört). Auf die Freiheit im dichterischen Schaffen weisen auch andere lateinische Autoren, wie Cicero, Phaedrus, Horaz und Lucian (vgl. Büchmann).
   Die Redensart Den Dichterlorbeer erringen weist auf Ehrungen und die Auszeichnungen des Dichters hin. Ursprünglich bezog sich die Wendung auf die tatsächliche ›Dichterkrönung‹, die vor allem zur Zeit der Renaissance eine Rolle spielte, vgl. Goethes ›Tasso‹. Heute wird sie nur noch in übertragenem Sinn verwendet.
• A. ERLER: Artikel ›Dichterkrönungen‹, in: Enzyklopädie des Märchens III, Spalte 728-729.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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