Durchstecherei
Durchstechereien treiben (machen): betrügerische Heimlichkeiten treiben, schwindeln.
   Bei der Deutung dieser Redensart müssen verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. So hat man an die Herkunft von den ›Riemenstechern‹ gedacht, die noch bis in unsere Zeit im Volksmund als Betrüger weiterlebten und als solche schon im Mittelhochdeutschen erwähnt werden. In Zedlers ›Universal-Lexikon‹ (31, 1550) wird 1742 von ihnen berichtet, und 1741 heißt es in Frischs ›Teutsch-Lateinischem Wörterbuch‹ (Band 2, S. 119c): »betrügerische Landläufer auf den Jahrmärckten, so einen Riemen mit gemachten Krümmen zusammenrollen; mag man darein stechen, wie man will, so können sie machen, daß der Stich neben dem Riemen hingeht«. Dieselbe Jahrmarktsgaukelei ist wohl schon in Murners ›Schelmenzunft‹ (VI, 15) gemeint:
   Das heißt die rechte meisterkunst
   Und die rechten riemen zogen:
   Vmb sunst verraten und verlogen!
Eine zweite Erklärung geht von dem als alt bezeugten mittelniederdeutschen Verb ›dörchsteken‹ aus; es bedeutet ebenfalls soviel wie ›Durchstechereien treiben‹, unter Umgehung des Stapels, der Ein- und Ausfuhrverbote, heimlich Waren ein- oder ausführen, durchschmuggeln. Auf eine weitere Möglichkeit der Erklärung dieser Redensart haben Weigand (Deutsches Wörterbuch 5. Auflage I, 395) und Paul (Deutsches Wörterbuch 5. Auflage) hingewiesen; sie leiten die Redensart vom Betrug mit durchstochenen Spielkarten ab; es sei ferner erinnert an die Sitte, Urkunden ungültig zu machen oder zu ändern, indem sie durchstochen wurden. Die Redensart ist unter anderem 1859 bei Fr. Reuter (›Franzosentid‹) belegt: »Dat nich so licht Döchstekereien passiren kün'n«. In Berlin wird sie wortwitzelnd z.B. angewandt, wenn in einer vollbesetzten Straßenbahn die Fahrgäste ihre Beine durcheinanderstellen, um bequemer sitzen zu können.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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