eigen
Eigen sein: besonders penibel sein, für jemanden charakteristisch (mittelhochdeutsch eigen = unfrei). Die Wendung ist auch in der Bedeutung von ›eigenwillig‹, ›merkwürdig‹ und ›sonderbar‹ geläufig (vgl. Eigenheit).
   Etwas sein eigen nennen, etwas zu eigen haben, sich zueigen machen, sich etwas zueigen nehmen, jemandem etwas zu eigen geben sind veraltete Umschreibungen für etwas besitzen, in Besitz nehmen usw. An ihre Stelle sind verkürzte Begriffe getreten wie: sich etwas aneignen, jemandem etwas übereignen etc.
   Sich jemand zu eigen geben: ihm in Freud und Leid angehören wollen, ihm sein Herz schenken und sein Leben mit ihm teilen. Den Höhepunkt der Liebeswerbung bildet daher oft die entscheidende Frage: ›Willst du mein eigen sein?‹ Ähnlich heißt es auch im Volkslied: ›Das Lieben bringt groß Freud‹ bestätigend in Strophe 3:
   Mein eigen sollt sie sein,
   keinem andern mehr als mein ...
Auch im geistlichen Lied begegnet die Wendung:
   Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein,
   das hab ich auserkoren,
   sein eigen will ich sein.
   (Evangelisches Kirchengesangbuch, Nr. 401, Strophe 1).
Die Wendung: ein Eigenbrötler sein: ein kauziger, völlig mit sich selbst befaßter Mensch, bezog sich ursprünglich auf den alleinlebenden Junggesellen, der sein eigenes Brot backen mußte und seiner Umgebung daher absonderlich erschien. Heute allgemeiner Ausdruck für einen Einzelgänger, der sich von der Gruppe absondert, seine eigenen Wege geht oder durch ein merkwürdiges Verhalten auf sich aufmerksam macht.
   Ein Eigentor schießen: sich selbst schaden durch Handlungen, die anderen zugedacht waren: Wenn der Fußball, der für das gegnerische Tor bestimmt war, aus Versehen ins eigene Tor trifft.
   Eigeninitiative entwickeln: die Dinge selbst in die Hand nehmen. Das Sprichwort ›Eigenlob stinkt‹ begegnet schon bei Sebastian Brant (›Narrenschiff‹, 1494, Nr. 46):
   so doch der wis man gibt urkund
   Das lob stink uß eim eigenen mund.
Ein verwandtes Sprichwort lautet:
   Wer sich lobt alleine,
   Des Ehre ist gar kleine.
Wenn es auch nicht gerade in Frage gestellt wird, so wird es von späteren Autoren dennoch differenzierter gesehen: »Man sagt, eitles Eigenlob stinket. Das mag sein; was aber fremder und ungerechter Tadel für einen Geruch haben, dafür hat das Publikum keine Nase« (Goethe, ›Maximen und Reflexionen‹).
   Das Sprichwort ›Eigner Herd ist Goldes wert‹ hat zahlreiche Variationen erfahren, wie z.B.: ›Eigen Nest hält wie die Mauern fest‹; ›Eigen Kohl schmeckt wohl‹.
• J. BERMAN: ›Eigen lof stinkt niet‹. In: Zeeuwsche Volksalmanak 1 (1836), S. 159-171; J.E. WÜLFING: Artikel ›Eigenbrötler‹, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 23 (1909), S. 263f.; D. SCHWAB: Artikel ›Eigen‹, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte I, Spalte 877-879.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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