alt
Alt wie Methusalem: sehr alt; so alt, daß man es gar nicht mehr ausrechnen kann. Der redensartliche Vergleich bezieht sich auf Gen 5,25-27 (»Methusala war hundertsiebenundachtzig Jahre alt und zeugte Lamech; und lebte darnach siebenhundertzweiundachtzig Jahre und zeugte Söhne und Töchter; daß sein ganzes Alter ward neunhundertneunundsechzig Jahre«); vgl. französisch ›vieux comme Methusalem‹; englisch ›as old as Methusalah‹; niederländisch ›zo oud as Methusalem‹. Der Begriff wurde durch Bernhard Shaws Werk ›Back to Methusalah‹ (1921), deutsche Übersetzung von Siegfried Trebitsch ›Zurück zu Methusalem‹ (1923) im internationalen Sprachgebrauch wieder geläufiger (Büchmann).
   So alt wie der Böhmerwald (Bremer, Harzer, Duisburger, Thüringer, Westerwald); auch mundartlich, z.B. ›Hei is sau aalt, as de Düringer Wahld‹. Der redensartliche Vergleich stammt deutlich aus der Wechselbalgsage. Der Wechselbalg wird durch irgendeine merkwürdige Hantierung seiner Pflegemutter, z.B. durch das Brauen von Bier in Eierschalen, zum Sprechen veranlaßt. Dadurch, daß er als Wickelkind schon sprechen kann, sowie durch das Eingeständnis seines hohen Alters zeigt er, daß er nicht zu den Menschen, sondern zur dämonischen Welt gehört.
Im Mittelpunkt der Sagen steht häufig ein solcher Altersvers, z.B.
   I, so bin ik doch su alt
   Wie der gruße Harzerwald,
   Su was heb' ik net gesahn
   In mein lange, lange La'm (Leben),
oder:
   Su bin ik doch Sau oolt,
   Wie de Böhmerwoold,
   Dreimal ehacket un dreimal ekohlt
   (dreimal abgehackt und dreimal verbrannt).
Nachdem der Wechselbalg sich so verraten hat, muß er zu den Seinen zurückkehren, die dafür das gestohlene Kind wiederbringen. Der Spruch hat oft die Sage selbst an Lebenskraft überdauert und ist als Redensart (mit starken lokalen Abweichungen) noch ganz geläufig.
   Alt und grau werden stammt aus 1 Sam 12,2: »Ich aber bin alt und grau geworden«.
   Alter Schwede Schwede.
   ›Der Ältere teilt, der Jüngere wählt (kiest)‹, ist ein Rechtsgrundsatz, der auf Gen 13, 5-11 zurückgeht und durch die Schriften des Augustinus (besonders ›De civitate Dei‹ 1, XVI c.20) verbreitet wurde. Der älteste deutsche Beleg ist der Bericht Nithards über die Teilung des Fränkischen Reiches zwischen Lothar und Karl dem Kahlen unter Kaiser Ludwig dem Deutschen.
   Die sprichwörtliche Regel ist auch dem Sachsenspiegelrecht bekannt und dort bildlich dargestellt worden.
   Die Wendung: Alt aussehen: etwas vergeblich tun, Mißerfolg haben, ist in der heutigen Jugendsprache geläufig.
   Die ganz jung erscheinende Wendung Alter Mann ist doch kein D-Zug taucht bereits vor dem 1. Weltkrieg in einem Soldatenlied auf:
   Die Aufsicht hat der Leutnant,
   Die Ruhe haben wir.
   Ein alter Mann ist kein D-Zug,
   Er ist nur Passagier.
Nicht alt werden bei jemandem: kein alter Mann werden, nicht lange aushalten bei jemandem, findet sich schon im Vincentius Ladislaus, wo es (I, 5) der Diener von seiner Dienstdauer dem Herrn gegenüber gebraucht, bei dem er nicht alt werden will; vgl. französisch ›Ne pas faire de vieux os chez quelqu'un‹ (wörtlich: ›Bei jemandem werden einem die Knochen nicht alt‹). Dann erscheint die Redensart allgemein im Sinne von nicht aushalten.
   Wer sich früh zu Bett legen will, pflegt wohl zu sagen: ›Heute werde ich nicht alt‹.
   Alles beim alten lassen jede Veränderung vermeiden, wird oft als beruhigende Feststellung ›Es bleibt also alles beim alten‹ gebraucht. Den Wunsch, daß alles beim alten bleiben solle, läßt Goethe im ›Faust I‹, in der Szene vor dem Tor einen Bürger aussprechen:
   Herr Nachbar, ja! so laß ich's auch geschehn:
   sie mögen sich die Köpfe spalten,
   Mag alles durch einander gehn;
   Doch nur zu Hause bleib's beim alten.
Im Gegensatz dazu steht die Redensart {\i Am Alten rütteln.
   Auf seine alten Tage} Tag.
   ›Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen‹: die Kinder richten sich nach ihren Eltern, sie übernehmen alte Gewohnheiten. Die Wendung ist durch das Lied vom Sperling: ›Unterm Dach, juchhe ...‹ bis heute allgemein verbreitet geblieben.
   Für den Alten Fritzen arbeiten Preußen.
• G. BEYERI: Dissertatio de proverbio juridico: Major dividit et Minor Digit (Der ältere theilt, der jüngere kieset) (Vitebergae 1712); H.V. VOLTELINI. Der Ältere teilt, der Jüngere wählt, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (Germanistische Abt.) 36 (1915), S. 478; G. KAHLO: Die Verse in den Sagen und Märchen
(Berlin 1919), S. 102 ff.; L. RÖHRICH: Sprichwörtliche Redensarten aus Volkserzählungen, S. 262; J. KOEPP: Das Volkslied in der Volksgemeinschaft, in: A. Spamer: Die deutsche Volkskunde, 2 Bde. (Berlin 1934), I, S. 306; R. SCHENDA: Artikel ›Alte Leute‹, in: Enzyklopädie des Märchens I, Spalte 373-380; DERS.:Das Elend der Alten Leute (Düsseldorf 1972); DERS.: Häßliche Alte – lusterne Greise? Bilder der Dritten Generation in Märchen, Sagen, Sprichwörtern, in R. Boeckler und K. Dirschauer (Hrsg.): Emanzipiertes Alter, Bd. I (Göttingen 1990), S. 149-161; R. WILDHABER: Der Altersvers des Wechselbalges und die übrigen Altersverse (= Folklore Fellows Communications 235) (Helsinki 1985).
Der Ältere teilt, der Jüngere wählt. Heidelberger Sachsenspiegelhandschrift, 13. Jahrhundert.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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