Esse
(femininum) in der Bedeutung ›Schornstein, Rauchfang‹ findet sich in folgenden sprichwörtlichen Redensarten: in die Esse schreiben: als verloren betrachten; z.B. eine Geldsumme, die, in der Esse, im Rauchfang angeschrieben, dort bald überschwärzt und unleserlich wird, Kamin, Schornstein.
   Vom Feuerherd des Schmiedes hergenommen ist die Redensart frisch aus der Esse kommen: soeben fertiggestellt sein; schon Luther gebraucht 1541 diese Wendung (›Wider Hans Worst‹): »Zu der zeit war ich prediger allhie im kloster und ein junger doctor, newlich aus der esse kommen« ( Feueresse und Schornstein). Im selben Sinne: ›Er geht erst auss der esse‹ bei Sebastian Franck, II, 34b.
   Esse (neutrum) in der Bedeutung ›Wohlbefinden, Behagen‹ findet sich in der Redensart in seinem Esse sein: in seinem Element sein, sich wohlfühlen. Das Wort Esse ist vom lateinischen Verbum esse = ›sein‹ entlehnt und bedeutet ursprünglich ›Zustand, Bestand‹; später ›Wesen‹. Schon frühneuhochdeutsch erscheint die Redensart in seinem Esse erhalten: in gutem Stand erhalten, z.B. 1568 in einer mecklenburgischen Urkunde: »damit das closter bey würden und in esse erhalten (werde)«. ›In gutem esse und Stande sein‹ ist in vielen Urkunden als Formel gebraucht.
Ähnliche Wendungen finden sich bis heute in fast allen deutschen Mundarten., z.B. obersächsisch mit falscher Betonung: ›in seinem Essee sein‹; mecklenburgisch ›in Ess erholden‹, in gutem Zustand; rheinisch ›es Esse houwe‹, im Gedächtnis behalten; schweizerisch ›en Ess mit etwas han, machen‹, große Mühe daran wenden; auch niederländisch ›in de es zijn‹, sich in seinem Element fühlen. Berlinisch ist die Redensart scherzhaft verdreht zu: ›Er ist janz in seinem Essig‹.
   Um ein paar Ess zu leicht sein gebraucht man in Schlesien, um einen Leichtsinnigen und Charakterlosen zu bezeichnen.
• O. SCHÜTTE: »In seinem Esse sein«, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 18 (1904), S. 63; R. HANSEN: »In seinem Esse sein«, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 18(1904), S. 519; H. HOFMANN: »In seinem Esse sein«, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 20 (1906), 60-61 Zeitschrift für den deutschen Unterricht 21 (1907), S. 64 u.S.578.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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