Feder
Sich mit fremden Federn schmücken: sich die Verdienste anderer zueignen, mit fremdem Gute prahlen; schon lateinisch ›alienis se coloribus adornare‹; ähnlich auch in vielen anderen europäischen Sprachen verbreitet.
   Die Redensart geht auf die Fabel des Phaedrus (1,3) von der Krähe zurück, die sich mit Pfauenfedern schmückte (Aarne-Thomson 244). Die Fabel ist literarisch sehr verbreitet. Schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfaßte der Stricker die Versdichtung ›Der Rabe mit den Pfauenfedern‹. 1639 heißt es bei Lehmann S. 15 (Ampt 48): »Man muß einmal der Hatzel (d.i. Elster) die entlehnten Federn ausrupffen«. Lessings Fassung der Fabel: ›Die Pfauen und die Krähe‹ lautet: »Eine stolze Krähe schmückte sich mit den ausgefallenen Federn der farbigen Pfaue und mischte sich kühn, als sie genug geschmückt zu sein glaubte, unter diese glänzenden Vögel der Juno. Sie ward erkannt, und schnell fielen die Pfaue mit scharfen Schnäbeln auf sie, ihr den betrügerischen Putz auszureißen. – ›Lasset nach!‹ schrie sie endlich, ›ihr habt nun alle das Eurige wieder‹. Doch die Pfaue, welche einige von den eignen glänzenden Schwingfedern der Krähe bemerkt hatten, versetzten: ›Schweig, armselige Närrin; auch diese können nicht dein sein!‹
und hackten weiter« (Fabeln, 2. Buch, Nr. 6, 1759). Vgl. auch die Fabel von La Fontaine: ›Le geai paré des plumes du paon‹ (Der Häher, der sich mit Pfauenfedern geschmückt hatte), woraus die gleichlautende französische Redensart abgeleitet wurde. Federn lassen (müssen): Schaden erleiden, vom Bild des Geflügels, das in einer Falle oder Schlinge gefangen ist und bei der Befreiung Federn verliert; im ähnlichen Sinn: ›Haare lassen‹ ( Haar) und ›Wolle lassen‹ ( Wolle). 1538 bei Luther: »sie besorgen doch, wo es zum concilio keme, sie müsten fedder geben oder har lassen«. Bei Hans Sachs:
   war ist das alt sprichwort, das redt,
   wer mit heillosen Leutn umbgeht,
   dem geht es auch heillos dermaßen,
   er muß ein federn hindr im lassen.
Vgl. französisch ›Y laisser des plumes‹.
   Dann auch aktiv: jemandem eine Feder ausrupfen: ihn betrügen, schädigen, übervorteilen. Bei Abraham a Sancta Clara (›Sterben und Erben‹ 13): »Als die grassirende Pest der kayserlichen Residenz-Stadt ziemlich die Federn ausgeropft«. Mundartlich in Mecklenburg ›sick bi de Feddern krigen‹, in eine Schlägerei geraten. Vgl. auch französisch ›Voler à quelqu'un dans les plumes‹ (wörtlich: einem ins Gefieder geraten): einem zusetzen.
   Jemandem eine Feder durch die Nase ziehen: ihn belügen, ihm etwas aufbinden; belegt bei Andreas Gryphius: »der herr verzeihe mir, der ihm gesaget, daß wir ihm seine fräulein entführet, hat ihm eine greuliche feder durch die nase gezogen«.
   Federn in den Wind schütten: Sinnloses tun. Die hessische gebräuchliche Frage Wo wird er seine Federn hinblasen?: wohin wird er ziehen? hat ihre Wurzel in dem Volksglauben, die Richtung der Wanderschaft durch eine in die Luft geblasene Feder bestimmen zu lassen; dies wird schon 1580 in der ›Bayerischen Chronik‹ (98b) des J. Aventin bezeugt: »Es ist auch sonst ein gemein Sprichwort vorhanden, das gemeiniglich die jenigen brauchen, so frembde Land bauwen wöllen oder söllen, die sprechen gern: Ich wil ein Feder auffblasen, wo dieselbig hinauß fleucht wil ich nachfahren«; vgl. den Eingang von Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 63 ›Die drei Federn‹: Der König bläst drei Federn in die Luft und schickt seine Söhne nach den drei Richtungen, die sie einschlagen, in die Welt (vgl. L. Röhrich: Märchen und Wirklichkeit [Wiesbaden 4. Auflage 1979], S. 103f.). In einigen Redensarten wird der Mensch mit einem Vogel verglichen: ohne Federn fliegen wollen: etwas wagen, wozu die Mittel fehlen; fliegen wollen, ehe die Federn gewachsen sind, schon im 14. Jahrhundert in der ›Theologia deutsch‹, Kapitel 13, und mittelhochdeutsch ›ungeveder fliegen‹; mit fremden Federn fliegen: mit fremder Hilfe.
   Sich eine Feder an den Hut stecken: fröhlich und unbekümmert sein, nach außen hin zeigen, daß man ein freier Bursche ist, der noch ungebunden geblieben ist, Hut.
   Daran erinnert auch der Liedtext:
   Es trägt ein Jäger einen grünen Hut,
   Er trägt drei Federn auf einem Hut.
Die Liedzeile »Vom Barette schwankt die Feder«, aus dem ›Landsknechtlied‹ von Heinrich Reder aus dem Jahre 1854, hat ebenfalls redensartlichen Charakter erhalten durch ihre Anspielung auf ein fröhliches Junggesellentum.
   Die Bettfedern sind in folgenden Redensarten gemeint: von den Federn aufs Stroh kommen: verarmen; dagegen obersächsisch ›zu Federn kommen‹, zu Wohlstand gelangen; scherzhaft nach Federnhausen gehen, sich zu seinen Federn versammeln (Wortspiel mit ›Vätern‹): zu Bett gehen; ebenso auf den Federball gehen; vgl. französisch ›se mettre dans les plumes‹: sich in die Federn legen; zu Bett gehen.
   Sich aus den Federn machen: aufstehen; nicht aus den Federn kommen: lange schlafen.
   Auf die Schreibfeder, ursprünglich eine Vogelfeder, später eine Feder aus Metall, beziehen sich einige Wendungen der gehobenen Sprache: zur Feder greifen: etwas schriftlich niederlegen, einen Brief schreiben, sich literarisch betätigen; eine spitze Feder führen: angriffslustig, kritisch formulieren; von der Feder leben (müssen): als freier Schriftsteller arbeiten und daher meist ein unsicheres Einkommen haben; etwas unter der Feder haben: gerade an einem Aufsatz (Buch, Werk) arbeiten. Sich vom Tod die Feder aus der Hand nehmen lassen: mitten aus der Arbeit herausgerissen werden, zeitlich.
• M. FUCHS: Die Fabel von der Krähe, die sich mit fremden Federn schmuckt, in der abendländischen Literatur (Diss. Berlin 1886); L. RÖHRICH: Gebärde, Metapher, Parodie (Düsseldorf 1967), S. 75; K. DODERER: Formen, Figuren, Lehren (Zürich – Freiburg im Breisgau 1970); A. TAYLOR: As Light as a Feather, in: Folklore Research Center Studies 1 (Jerusalem 1970), S. 95-96; L. RÖHRICH und G. MEINEL: Redensarten aus dem Bereich der Jagd und der Vogelstellerei, S. 320; W. DANCKERT: Symbol, Metapher, Allegorie im Lied der Völker II (Bonn-Bad Godesberg 1978), S. 787ff.; H. FISCHER: Artikel ›Feder‹, in: Enzyklopädie des Märchens IV, Spalte 933-937.}
Federn in den Wind schütten. Detail aus dem Sprichwörterbild von P. Bruegel, 1559.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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