Feg(e)feuer
Ins Fegefeuer kommen: Qualen erdulden müssen, einen Läuterungsprozeß durchmachen, der mit Schmerz und Pein verbunden ist.
   Das Wort ›Fegefeuer‹, mittelhochdeutsch ›vegeviur‹, ist eine Übersetzung von kirchenlateinisch ›îgnis purgatorium‹, das nach katholischer Glaubenslehre ein vorübergehender Prozeß der Reinigung ist, in dem die Verstorbenen ihre läßlichen Sünden abbüßen, bevor sie in das Reich Gottes eingehen dürfen. Die Armen Seelen leiden durch verhängte Strafen, vor allem aber durch die zeitweilige Entziehung der seligen Anschauung Gottes. Lebende können den Armen Seelen zu Hilfe kommen und ihre Qualen verkürzen, indem sie Meßopfer bringen, gute Werke verrichten und Almosen geben.
   Die katholische Fegfeuerlehre wurzelt in der Rechtfertigungslehre und versucht, die Menschen vor sittlichem Leichtsinn, aber auch vor Verzweiflung über ihre Sündenschuld zu bewahren.
   Mehrere Redensarten tradieren diese Vorstellungen und übertragen sie in den profanen Lebensbereich: Ein Fegefeuer erleiden, für jemanden ein Fegefeuer sein: schon zu Lebzeiten größte Qualen erleiden müssen.
   Sein Fegefeuer im Haus haben: die Hölle auf Erden erleben; vgl. niederländisch ›Hij heeft het vagevuur binnen 's huis‹.
   Aus dem Fegefeuer in die Hölle kommen: einem noch schlimmeren Übel verfallen, eigentlich: in alle Ewigkeit verdammt sein; vgl. niederländisch: ›vat het vagevuur in de hel‹; ähnlich ›Vom Regen in die Traufe kommen‹ Regen.
• M. LANDAU: Hölle und Fegfeuer in Volksglaube, Dichtung und Kirchenlehre (Heidelberg 1909); R. HINDRINGER: Artikel ›Fegfeuer‹, in: Lexikon für Theologie und Kirche III (Freiburg 1931), Spalte 979-982; J. LE GOFF: Die Geburt des Fegefeuers (Stuttgart 1984).

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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