Fichte
Einen um (auch in oder hinter) die Fichte führen: ihn hinters Licht führen, täuschen, eine mitteldeutsche Redensart, die sich bereits 1563 bei dem Prediger Mathesius in seiner Schrift ›Vom Ehestand und Hauswesen‹ findet: »wie der Dalila Lippen, die süßer waren denn hönigsam, den thewren held Simson umb die Fichte füret«. Sie lebt auch in den heutigen Mundarten weiter, z.B. nordostdeutsch ›einen in die Fichten führen‹, obersächsisch ›sich hinter die Fichte führen lassen‹, dazu auch: um die Fichte rum sein: etwas verstanden haben; in die Fichten gehen: verlorengehen, ausreißen; alle diese Redensarten gehen wahrscheinlich auf die Gaunersprache zurück, in der Fichte = Nacht bedeutet, wohl von dem Dunkel des Fichtenwaldes hergenommen. Der Nachtdieb heißt ›Fichtegänger‹, der Betrogene ›Fichtner‹ (eigentlich: der ins Dunkel Geführte); dazu die Redensart den Fichtner machen: Mißerfolg haben, einen Reinfall erleben. Durch die Vermittlung der Studentensprache sind diese Wendungen in die Umgangssprache gelangt.
• H. MARZELL: Artikel ›Fichte‹, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens II, Spalte 1444-1446.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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