Fiedel
Fiedeln ist gegenüber geigen das ältere Wort, wie auch die Fiedel eine historische Vorform der Geige ist, die bis heute als das wertvollere Instrument gilt.
   Der Begriff ›Fiedel‹ ist bereits in der Frühzeit sprachlich ›unfein‹ geworden. Schon Luther ersetzte 1523 das in 1 Sam 18, 6 verwandte ›fiddeln‹ durch ›geigen‹. Auch heute betrachtet man die Fiedel nur noch verächtlich als minderwertige Geige (Bierfidel, Dorffidel). Zudem steht sie vielfach innerhalb einer erotischen Metapher, so vor allem das ›gelbe Fidelchen‹, wie es z.B. im Volkslied begegnet:
   in seinen schwarzen Stiefelgen
   mit seinen gelen Fidelgen
   (Bergliederbüchlein Nr. 192, Strophe 3).
Im Neuhochdeutschen hat fiedeln auch den Nebensinn von ›schlecht spielen‹ angenommen.
   Dem ist leicht gefiedelt: wer Neigung zu einer Sache hat, der ist ohne Mühe beredet; auch sprichwörtlich: ›Dem ist leicht gefiedelt, der gerne tanzt‹.
   Jemanden in die Fiedel spannen: ihn an den Pranger stellen. Hier spiegelt sich ein mittelalterlicher Rechtsbrauch wider: leichtfertigen Frauen wurde am Pranger ein fiedelähnliches Holz um Hals und Hände gelegt, Geige, brummen.
   Einem die Fiedel entzweischlagen: ihn auf derbe Weise zum Schweigen bringen, seiner Hilfsquellen berauben; auch in den Mundarten., z.B. mecklenburgisch ›die Fidel intzweislan‹, jemandem das Handwerk legen.
   Etwas verfiedeln, auch verbumfiedeln, verfumfiedeln: sein Vermögen vertun. In der Redensart steckt das niedersächsisch ›Funfel‹ = Geige.
• M. WILLBERG: Die Musik im Sprachgebrauch, in Sprichwörter, in Redensarten, im Schrifttum, in: Die Muttersprache, Jg. 1963 (Lüneburg 1963), S. 201-221.}
Fiedeln. Lavierte Federzeichnung von Lucas Cranach d.Ä.: Sitzendes nacktes Paar, musizierend, um 1527/30, Erlangen, Universitätsbibliothek.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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  • Fiedel — Fiedel: Die ugs., leicht abschätzige Bezeichnung der Geige galt ursprünglich für eine Vorform dieses Streichinstruments, die in Europa seit der Karolingerzeit bezeugte, neuerdings wieder gebaute Fidel. Die Herkunft des Wortes mhd. videl‹e›, ahd.… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Fiedel — Sf erw. obs. (9. Jh.), mhd. videl(e), ahd. fidula, fidala, mndl. vedele Nicht etymologisierbar. Wie ae. fiđele und anord. fiđle unklarer Herkunft (früh rom. * vītula Saiteninstrument ist erst später bezeugt; über air. fidil ?) auch die Herkunft… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Fiedel — Fiedel, 1) so v.w. Bogeninstrument; daher Fiedelbogen, so v.w. Violinbogen, s.u. Bogen 1); 2) so v.w. Violine, mit dem Nebenbegriff eines schlechten Instrumentes; daher Fiedler (Bierfiedler), ein in Schenkwirthschaften, namentlich auf Dörfern,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Fiedel — (v. lat. fides, die Saite), alter deutscher Name der Streichinstrumente (fidula schon im 9. Jahrh. bei Otfried), jetzt nur noch im geringschätzigen oder scherzhaften Sinne für Violine und siedeln für geigen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Fiedel — (aus dem lat. fidicŭla, mittellat. fidŭla), Streichinstrument, Vorläufer der Violine (s.d.) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Fiedel — Fiedel,die:⇨Geige(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Fiedel — 1. Die Fiedel macht das Fest. Holl.: Hebt je vreugde, neem eene vedel. (Harrebomée, II, 363.) 2. Man raus, dann wollen wir ihnen die Fiedel mal inzwei schlagen. (Ostpreuss.) Als Aufforderung zum Anzuge beim Kartenspiel. 3. Nach der Fiedel hopsen… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Fiedel — Dieser Artikel erläutert das historische Musikinstrument Fidel; zu dem Vornamen Fidel siehe Fidel (Vorname); zu dem ehemaligen Kubanischen Staatschef Fidel Castro siehe Fidel Castro. Spiel auf der Fidel, Buchillustration etwa 15. Jh …   Deutsch Wikipedia

  • Fiedel — die Fiedel, n (Oberstufe) scherzhafte Bezeichnung für eine Geige Beispiel: Zu seinem vierten Geburtstag hatte er seine erste Fiedel bekommen und heute ist er ein weltbekannter Violinist …   Extremes Deutsch

  • Fiedel — Violine; Geige * * * Fie|del 〈f. 21; volkstüml.〉 = Geige [<ahd. fidula, engl. fiddle <germ. *fidula <vulgärlat. vitula „Saiteninstrument“; zu lat. vitulari „frohlocken“] * * * Fie|del, die; , n ↑ [Fidel] (scherzh., sonst veraltet): Geig …   Universal-Lexikon

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