Andacht
Aufgehen in der Andacht zum Unbedeutenden: sich in völlig unwichtigen Kleinigkeiten verlieren, ihnen die größte Aufmerksamkeit widmen.
   Das Schlagwort von der ›Andacht zum Unbedeutenden‹ wurde von Sulpiz Boisserée, die ›Deutschen Wälder‹ der Gebrüder Grimm betreffend, geprägt. Boisserée schreibt an Goethe am 27. Oktober 1815 über A.W. Schlegels Rezension der ›Deutschen Wälder‹ in den Heidelberger Jahrbüchern: »Schlegel lobt an ihnen, was zu loben ist, aber das nichtige, kleinliche Sinnbildeln und Wortdeuteln, ihre ganze Andacht zum Unbedeutenden, verspottet er mit grimmigem Witz.«
   Wilhelm Scherer greift in seiner Würdigung von Jacob Grimm dieses kennzeichnende Schlagwort wieder auf und gibt ihm einen positiven Sinn: »Als Spottname war es gemeint, als Ehrenname lebt es unter uns fort. Und nichts kann man finden, um das Wesen der Brüder besser zu bezeichnen als: Andacht zum Unbedeutenden« (S. 124). Von Jacob Grimm soll der Ausdruck ›Philologie ist die Andacht zum Kleinen‹ stammen.
• S. BOISSERÉE: Briefwechsel, Tagebücher, Bd. II (Neudr. Göttingen 1970), S. 72; W. SCHERER: Jacob Grimm; Neudruck der 2. Auflage be-
sorgt v.S.v.d. Schulenburg (Berlin 1921).

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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  • Andacht — Andacht, 1) die Richtung des Geistes auf irgend einen Gegenstand; bes. 2) die Richtung des Geistes auf Gott u. religiöse Gegenstände, mit denen wir uns beschäftigen, z.B. beim Gebet, beim Anhören des göttlichen Worts, beim Gesang etc.;… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Andacht — Sf std. (10. Jh.), mhd. andāht, ahd. anadāht, mndd. andacht, mndl. aendachte Stammwort. Ein ti Abstraktum zu denken, präfigiert mit an; also Denken an etwas, Aufmerksamkeit . Das parallele ahd. ādāht f. Erinnerung ist schon seit dem 8. Jh.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Andacht — Andacht: Die Bildung mhd. andāht, ahd. anadāht »Denken an etwas, Aufmerksamkeit, Hingabe« gehört zu dem unter ↑ denken behandelten starken Verb, beachte die im Nhd. untergegangene Substantivbildung mhd., ahd. dāht »Denken, Gedanke«. Seit dem… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Andacht — Andacht, die Richtung der Gedanken auf irgend einen Gegenstand, besonders auf Gott und göttliche Dinge, in der Absicht, sich über das Endliche, Gemeine, Selbstische zu erheben. Andachtsübungen sind in diesem Sinn Gebet, Gesang und öffentliche… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Andacht — ↑Devotion …   Das große Fremdwörterbuch

  • Andacht — 1. Andacht – Andaucht. (Jüd. deutsch.) – Tendlau, 210, 670. Ein Wortspiel der Alten in der Neuzeit, um das Wort Andacht durch Vergleich mit Andaucht (Abzugskanal) herabzusetzen. 2. Andacht steht nicht wohl auf einem vollen Bauch. 3. Der Welschen… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Andacht — Messe; Gottesdienst; Mette; Messfeier; Geistliche Übung; Meditation; Besinnlichkeit; Besinnung * * * An|dacht [ andaxt], die; , en: 1. <ohne Plural> Zustand, in dem sich jmd …   Universal-Lexikon

  • Andacht — Eine Andacht ist im allgemeinen Sinn die geistliche Sammlung auf einen Gegenstand (attentio) im religiösen Sinn die geistliche Sammlung auf eine heilige Größe im christlichen Sinn die geistliche Hinwendung zum dreieinigen Gott (devotio) die… …   Deutsch Wikipedia

  • Andacht — die Andacht, en (Mittelstufe) Besinnung auf Gott Beispiel: Der Papst kniete in tiefer Andacht vor der Monstranz. die Andacht, en (Aufbaustufe) ein kurzer Gottesdienst Beispiel: Im Altersheim wird einmal im Monat eine Andacht gehalten. Kollokation …   Extremes Deutsch

  • Andacht — 1. Betstunde, Bibelstunde, Gebet, Gottesdienst, Messe; (kath. Kirche): Novene. 2. Anspannung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Sammlung, Versenkung; (geh.): Inbrunst, Versunkenheit; (bes. Rel.): Kontemplation. * * * Andacht,die:1.〈Gedanken… …   Das Wörterbuch der Synonyme

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