Freude
Vor Freude hüpfen: sich wie ein Kind freuen, das seiner Freude durch körperliche Aktivität gestischen Ausdruck verleiht. Ähnlich vor Freude tanzen. In der volkssprachlichen Metaphorik hüpft nicht nur ›Das Herz vor Freude im Leibe‹, sondern nach altem Volksglauben auch die Sonne am Ostermorgen, d.h., sie macht drei Freudensprünge zum Zeichen der Freude über das Heilsgeschehen, Sonne. Dieser Glaube hat sich aus der Vulgata-Übersetzung von Ps 19,6 entwickelt, wo das Wort ›exsultativ‹ (Freudensprünge machen) vorkommt, während Luthertext und hebräische Bibel übersetzen: Die Sonne ›freut sich‹. Grundlage des weitverbreiteten Volksglaubens ist der mittelalterliche Vulgatatext.
   Auch die Engel tanzen vor Freude. Schon bei Lk 6, 23 heißt es (in der Bibelübersetzung von Luther): »Freut euch und hüpfet« (englisch: ›to jump for joy‹). In der profanen Literatur begegnet die Wendung unter anderem bei J. Ayrer (›Opus theatricum‹ [1618], 45): »vor freudt hupft mir das herze mein«. Ähnlich die Wendung vor Freude springen, bzw. vor Freude einen Luftsprung machen, die in älterer Zeit hauptsächlich belegt ist in der Fassung ›Einen Freudensprung tun‹: »wann aber der geist an die zähne stöszet und wil raus, so schleuszt die zunge das maul auf und wil fürm worte raus, und thut gleich einen freudensprung zum maule raus« (Jac. Böhme: ›Aurora ...‹ [1682], 244); »(er) that Freudensprünge wie ein Knabe« (W.A. Heinse: ›Ardinghello‹ [1794], 2,35).
   Herrlich und in Freuden leben: es sich gut gehen lassen. Die Redensart begegnet schon bei Lk 16,19. Sie bezieht sich auf einen reichen Mann. Noch heute wird die Wendung in diesem Sinne gebraucht.
   Die alte Zwillingsformel in Freud und Leid (zusammenstehen) ist in das Treuegelöbnis bei der Eheschließung übernommen worden. Das Sprichwort ›Zwischen Freud und Leid ist die Brücke nicht breit‹ kommt auch zum Ausdruck in dem Vers von P. Gerhard (›Gedichte‹, Ausgabe Goedeke [1877], 3058): »nun wir werden balde kommen / aus dem Leide zu der Freud«. Bei Goethe lautet diese Weisheit (›Faust‹ II): »Freud muß Leid, Leid muß Freude haben«.
   Das Sprichwort meint dagegen satirisch: ›Schadenfreude ist die reinste Freude‹.
   Wohlwollender klingt: ›Geteilte Freude ist doppelte Freude – geteiltes Leid ist halbes Leid‹ (auch: ›Geteilter Schmerz ist halber Schmerz‹).
   Im 19. Jahrhundert war die Vorstellung von Freude häufig identisch mit ›Jubel‹, so im Schlußsatz der IX. Symphonie Beethovens (nach dem Text von Schillers ›Ode an die Freude‹), in der es heißt:
   Freude, schöner Götterfunken,
   Tochter aus Elysium,
   Wir betreten feuertrunken,
   Himmlische, dein Heiligtum ...
In jüngster Zeit sind Freudenäußerungen weniger poetisch: ein Freudenfest veranstalten, Ein Freudengeheul anstimmen, In ein Freudengeschrei (einen Freudentaumel) ausbrechen, einen Freudentanz aufführen; rheinisch: ›Spaß anne Freud haben‹.
   Jemandem die Freude verderben (vergällen): ihm eine schlechte Nachricht bringen oder seine Pläne vereiteln.
   Ein freudiges Ereignis erwarten: der Geburt eines Kindes entgegensehen, herrlich.
• J.F. FERGUSON: ›To jump for joy‹, in: Notes & Queries, 1.9 (1854), S. 466; H.D. BASCHET: ›To jump for joy‹, in: Notes & Queries, 1.10 (1854), S. 112; L. RÖHRICH: Sonnen-Folklore, in: J. Jobé (Hrsg.): Die Sonne, Licht und Leben (Basel – Wien 1973), S. 89-130, hier S. 97; E. HÖRANDNER: Artikel ›Freude‹, in: M. Lurker: Lexikon der Symbolik (Stuttgart 1979), S. 169-170.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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