Gaul
Mundartlich gilt Gaul heute im Gebiet etwa zwischen Kaufbeuren, Birkenfeld, Paderborn und Vohenstrauß (im Süden davon gilt ›Roß‹, im Westen und Norden ›Pferd‹). Die folgenden Redensarten dürften daher ihren Ursprung in diesem Gebiet haben: Ihm geht der Gaul durch: er läßt sich von seiner Leidenschaft fortreißen; das Gegenteil dazu bildet die schwäbische Wendung ›Halt den Gaul an‹, tu langsam. Mach mir den Gaul nicht scheu: reize mich nicht, lüge mich nicht so an, ursprünglich vom Fuhrmann gesagt. Alle anderen landschaftlich mit ›Gaul‹ belegten Redensarten, wie: ›Den Gaul beim Schwanz aufzäumen‹, ›Einem auf den Gaul helfen‹, ›dess brengt 'n Gaul um‹, ›Einem den Gaul satteln‹, ›Immer auf den höchsten Gaul wollen‹, ›Immer auf einem Gaul reiten‹, ›Wieder auf seinen Gaul kommen‹, ›Sich auf den hohen Gaul setzen‹, ›Dazu bringen mich keine zehn Gäule‹ usw., Pferd.
   Ein geschenkter Gaul sein: eine Sache, die man als Geschenk erhielt und deshalb nicht genau prüfen, kritisieren oder gar verurteilen und verschmähen sollte in Rücksicht auf die gute Absicht des Gebers. Die Redensart steht in engem Zusammenhang mit dem bekannteren Sprichwort Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul (heute oft spöttisch ergänzt: einem geschenkten Barsch schaut man auch nicht ins Maul), das sich auf die Methode der Pferdehändler bezieht, die am Gebiß der Tiere ihr Alter feststellen. Dieses wohl bekannteste Pferdesprichwort ist seit der Antike bis heute in lebhaftem Gebrauch und kommt entsprechend häufig in den Sammlungen vor. Als ein verbreitetes Sprichwort führt Hieronymus (ca. 347-419) in der Einleitung seines Kommentars zum Epheserbrief an: »Noli, ut vulgare proverbium est, equi dentes inspicere donati«. Im Lateinischen wird der Grund des Verbotes deutlicher als im Deutschen, da man eben an den Zähnen das Alter eines Pferdes erkennen kann.
   Vgl. auch englisch: ›Never look a gift horse in the mouth‹.
• W. MIEDER (Hrsg.): ›Dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul‹, in: Deutsche Sprichwörter und Redensarten – Arbeitstexte für den Unterricht (Stuttgart 1979), S. 22-23; E. ROSENBERGER: Das Pferd in deutschen Sprichwörtern und Redensarten (Lizentiatsarbeit [masch.] Basel 1988).}
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. P.e.R., Plate XXXIV.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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