genieren
Sich nicht genieren: keine unnötigen Hemmungen haben, z.B. beim Essen zuzugreifen oder von bestimmten Annehmlichkeiten Gebrauch zu machen. Häufiger sind jedoch die Redensarten, die Verlegenen Mut machen sollen, z.B. als Aufforderung zum Essen: Kein Grund sich zu genieren; ›Du brauchst dich nicht zu genieren‹. Zur Auflockerung der Atmosphäre sind in ländlichen Gegenden vor allem spöttische Wendungen beliebt, z.B. ›Geniert Euch nicht, wir haben's ja‹ (wenn jemand zu kräftig zugreift), oder als ausgesprochene Nötigung: ›Nun mal nicht geniert‹, wobei der Betreffende einen kräftigen Essensschlag auf den Teller bekommt (den er meist gar nicht will).
   Seltene Varianten sind: ›Einmal hat sich eine Ziege geniert und ist davon gestorben‹; ›Lieber probieren als genieren‹; ›Wer nicht ißt und sich geniert, soll hinausgehen‹; ›Wenn du dich vor mir genierst, dann geh ich raus‹; ›Genier Dich, wenn Du gegessen hast‹; ›Nicht geniert und fest gegessen (zugelangt, zugegriffen)‹; ›Als getunkt, gebrockt, geweicht und 'rausgemacht und nicht geniert‹; ›Fest geschnitten und getunkt und nicht geniert‹. In einigen Redensarten wird das Essen mit der Arbeit verglichen: ›Wer sich beim Essen geniert, geniert sich auch beim Arbeiten‹; ›Greif zu, Arbeit geniert nicht‹.
• G. GROBER-GLÜCK: Motive und Motivationen in Redensarten und Meinungen (Marburg 1974), S. 325.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Genieren — (frz., spr. sche ), beengen, lästig fallen; sich genieren, sich Zwang antun, Umstände machen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • genieren — Vswrefl std. (18. Jh.) mit Adaptionssuffix. Entlehnt aus frz. gêner bedrücken, stören , refl. sich genieren , aus afrz. gehiner foltern , einer Ableitung von afrz. gehine das durch Folter erpreßte Geständnis , dieses abgeleitet von afrz. jehir… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • genieren — »belästigen«, meist reflexiv »sich genieren« »sich Zwang antun, gehemmt sein, sich unsicher fühlen«: Das Verb wurde im 18. Jh. aus gleichbed. frz. ‹se› gêner entlehnt und setzte sich auch in der Volkssprache durch, während das zugehörige Adjektiv …   Das Herkunftswörterbuch

  • Genieren — (spr. sche , franz. gêner), s. Gêne …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • genieren — erröten; (sich) schämen; (sich) rot färben; rot werden * * * ge|nie|ren [ʒe ni:rən] <+ sich>: eine Situation als peinlich und unangenehm empfinden und sich entsprechend gehemmt und unsicher zeigen: deswegen braucht sie sich nicht zu… …   Universal-Lexikon

  • genieren — sich genieren gehemmt/genant sein, sich [in Grund und Boden] schämen, in Verlegenheit geraten, rot werden, Scham empfinden, schamrot werden, verhemmt/verlegen/verschämt sein, von Scham erfüllt sein, vor Scham/Verlegenheit rot werden, vor Scham… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • genieren — ge·nie·ren, sich [ʒe ]; genierte sich, hat sich geniert; [Vr] sich genieren sich unsicher und verlegen fühlen, weil man etwas als peinlich empfindet ≈ sich schämen <sich vor jemandem genieren>: Sie genierte sich in ihrem neuen Bikini …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • genieren — ge|nie|ren 〈 [ʒe ] V.〉 1. jmdn. genieren stören, belästigen; jmdm. peinlich sein; geniert es Sie, wenn ich meine Jacke ausziehe? 2. sich genieren sich schämen, sich vor den anderen Leuten unsicher fühlen, schüchtern, gehemmt sein [Etym.: <frz …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • genieren — ge|nie|ren [ʒ... ] <französisch>; sich genieren …   Die deutsche Rechtschreibung

  • genieren — ge|nie|ren [ʒe...] <aus gleichbed. fr. (se) gêner zu gêne, vgl. 1↑Gene>: a) sich : gehemmt sein, sich unsicher fühlen, sich schämen; b) stören, verlegen machen, z. B. ihre Anwesenheit genierte ihn …   Das große Fremdwörterbuch

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